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Yamaha oder Selmer: die Debatte aus Sicht der Saxofonisten

Es ist der grosse Graben des Mittelklasse- und Profi-Saxophons: Yamaha oder Selmer. Beide Lager argumentieren leidenschaftlich in den Foren – und ehrlich. Hier die Synthese der Spielerberichte.

Yamaha: die Gleichmaessigkeit

Das Yamaha-Argument ist konstant: alles gut gemacht, nichts ueberrascht. Vorbildliche Intonation, moderne Ergonomie, Zuverlaessigkeit, geringe Streuung zwischen Exemplaren. Vom Custom Z bis zum 62 weiss man, was man kauft. Der Vorwurf der Kritiker: ein mitunter „zu sauberer“, weniger ausgepraegter Charakter.

Selmer: der Charakter

Selmer (Paris) traegt die Aura des Mark VI und den „lebendigen“, reichen Ton, geschaetzt im Jazz. Aber die Spieler sagen es klar: die Streuung ist groesser – man muss mehrere Exemplare anspielen und die Einstellung pflegen. Ein gutes Selmer (Supreme, Serie III, Reference) belohnt; ein schlechtes oder schlecht eingestelltes enttaeuscht.

Der Faktor, den alle vergessen

Wo die Threads zusammenlaufen: auf diesem Niveau wiegen Mundstueck und Spieler so schwer wie die Marke. Viele blinde „Markenunterschiede“ entpuppen sich als Mundstueck- oder Blattunterschiede. Bevor Sie Yamaha/Selmer entscheiden, stabilisieren Sie Ihr Setup.

Was wir mitnehmen

Yamaha fuer Gleichmaessigkeit, Wert und Sorgenfreiheit; Selmer fuer Charakter und Renommee, wenn Sie mehrere Exemplare anspielen koennen. Spielen Sie beide direkt nacheinander, mit IHREM Mundstueck. Modelle einordnen: unsere L’Anche Bewertungen.

Die Modelllinien im Überblick

Damit die Debatte greifbar wird, hilft die Einordnung der Linien. Bei Yamaha reicht die Skala vom 62 (bezahlbarer Profi-Allrounder) über das lebendige 82Z (Custom Z, Jazz/Pop) bis zum kontrollierten 875EX (Custom, klassisch) – überall die gleiche Handschrift aus Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit. Bei Selmer (Paris) stehen Supreme, Serie III und Reference für den charaktervollen, „lebendigen“ Ton in der Tradition des legendären Mark VI. Die Foren betonen: Beide Häuser bauen exzellente Instrumente – der Unterschied liegt im Charakter, nicht in der Qualität.

Der Gebrauchtaspekt

Ein wiederkehrender Faden dreht sich um Gebrauchtkäufe. Wertstabile Yamahas lassen sich gut weiterverkaufen und sind berechenbar. Bei Selmer – besonders bei Vintage-Hörnern – ist die Streuung größer, und ein gutes Exemplar zu finden, verlangt Anspielen und Geduld. Vorsicht bei neu lackierten Vintage-Selmern zum Hochpreis: Eine Neulackierung kann den Sammlerwert senken. Wer gebraucht kauft, sollte in beiden Lagern prüfen lassen und ein Überholungsbudget einplanen – dazu unsere Erfahrungen zum Gebrauchtkauf.

Klassik oder Jazz – was die Wahl beeinflusst

Ein wiederkehrender Faden in den Threads: Der musikalische Kontext verschiebt die Präferenzen. In der Klassik wird die Gleichmäßigkeit und Kontrolle von Yamaha oft geschätzt, weil sie im Ensemble berechenbar ist. Im Jazz zieht der charaktervolle, „lebendige“ Selmer-Ton viele an, in der Tradition des Mark VI. Doch die Spieler betonen: Diese Zuordnung ist keine Regel – es gibt exzellente Jazzer auf Yamaha und klassische Solisten auf Selmer. Wichtiger als das Markenlogo ist, dass Instrument, Mundstück und Spieler zusammenpassen und einen Klang ergeben, mit dem Sie sich wohlfühlen.

Häufige Fragen

Ist Selmer besser als Yamaha?

Weder noch pauschal. Yamaha steht für Gleichmäßigkeit, Wert und Sorgenfreiheit, Selmer für Charakter und Renommee bei größerer Streuung. Es ist eine Frage von Prioritäten und Spielstil.

Wie sehr entscheidet das Mundstück?

Sehr stark. Auf diesem Niveau wiegen Mundstück und Spieler oft schwerer als die Marke. Viele vermeintliche Markenunterschiede sind in Wahrheit Mundstückunterschiede.

Praktischer Rat für die Entscheidung

Wenn Sie vor der Wahl stehen, hilft ein einfaches Vorgehen aus den Foren. Spielen Sie, wenn möglich, beide Marken direkt nacheinander – und zwar mit Ihrem eigenen Mundstück, damit Sie Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Achten Sie bei Selmer besonders auf die Streuung: Testen Sie mehrere Exemplare, denn die Qualität schwankt stärker als bei Yamaha. Berücksichtigen Sie auch die praktischen Aspekte: Servicenetz, Wiederverkaufswert und wie das Instrument sich für Sie anfühlt. Am Ende zählt nicht das Prestige des Namens, sondern welches Horn Sie zu Ihrem besten Spiel bringt.

Und der Preis?

Beide Häuser bewegen sich auf Profi-Niveau im oberen Preissegment, wobei ein gutes Selmer je nach Modell und Zustand teurer ausfallen kann. Gerade deshalb lohnt der Blick auf den Gebrauchtmarkt – ein geprüftes, gepflegtes Exemplar spart erheblich, ohne bei der Qualität Kompromisse zu erzwingen. Behalten Sie im Kopf, dass Mundstück und Setup einen großen Teil des Klangs ausmachen: Bevor Sie viel Geld in die Marke investieren, stabilisieren Sie Ihr Zubehör. So treffen Sie eine Entscheidung, die zu Ihrem Spiel und Ihrem Budget passt.

Anmerkung zur Methode

Dieser Artikel fasst oeffentliche Diskussionen zwischen Saxofonisten, Besitzern und Technikern in Fachforen (insbesondere Sax on the Web und r/saxophone) zusammen, eingesehen im Juni 2026. Die Aussagen sind uebersetzt und sinngemaess wiedergegeben – nie woertlich uebernommen – und bleiben die Meinung ihrer Verfasser. Wir gleichen sie mit unserem eigenen Raster ab, ohne beides zu vermischen: unsere L’Anche Bewertungsmethode dokumentiert unsere Kriterien.

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